Gruß der Vortriebsredaktion

Gruß der Vortriebsredaktion an alle Bergleute bei Hugo und ihre Familien


Diese Zechenstilllegung ist ein trauriger Tag,
weil er viele tausend Menschen einen Arbeitsplatz kostet,
weil er etwas Unverrückbares,
nicht mehr rückgängig zu Machendes
zum Ausdruck bringt.

Und doch wäre es falsch,
hier nur zu trauern.

Wir müssen auch protestieren.

Als die IG Bergbau vor drei Jahren
zu einer Menschenkette im Ruhrgebiet aufrief,
da hieß es noch:
"Stirbt die Zeche, stirbt die Stadt!",
und sie forderte einen regelrechten Aufruhr.

Warum wurde dieser Aufruhr
bei der Bekanntgabe der Zechenstilllegung von Ewald/Hugo
nicht organisiert?

Wir dürfen es nicht zulassen,
dass die DSK das Wort
"Solidarität" missbraucht,
indem sie "Solidarität mit der Zechenstilllegung"
fordert!

Der größte Hohn ist,
wenn so die Zechenstilllegung
auch noch als "Bündnis für Arbeit" ausgegeben wird.
Der März-Vertrag von 1997
wurde mittlerweile in verschiedener Hinsicht gebrochen.

1. Damals hieß es noch,
der Zusammenschluss von Ewald/Hugo
würde die Arbeitsplätze
auf diesen beiden Zechen dauerhaft sichern.

Keine eineinhalb Jahre später wurde die Stilllegung beschlossen,
weil der Dollar auf 1,60 DM sank.
Heute ist der Dollar auf 2,10 DM gestiegen,
aber der Arbeitsplatzabbau wird sogar noch gesteigert.

2. Im Vertrag wurde damals gesagt.
es würden keine betriebsbedingten Kündigungen kommen.

Jetzt werden Massenentlassungen angekündigt,
falls nicht mindestens 11.000 Kumpel
ihren Arbeitsplatz in den nächsten beiden Jahren
freiwillig räumen.

Ich kann den Verantwortlichen in den Konzernetagen
nur raten,
diese unverschämte Drohung schnell zurückzunehmen,
sonst kann ich nur einen heißen Herbst prophezeien.

3. Die März-Verträge versprachen
einen "sozialverträglichen Abbau" der Arbeitsplätze.

Einen "sozialverträglichen Abbau" der Arbeitsplätze
gibt es aber nur,
wenn für jeden Arbeitsplatz,
der auf den Zechen vernichtet wird,
von der DSK ein Ersatzarbeitsplatz zur Verfügung gestellt wird.
Tatsächlich wurden allein
1999 Jahr hier in Gelsenkirchen
3.500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze abgebaut.

Das entspricht etwa dem Abbau im Bergbau.

Die Massenarbeitslosigkeit in Gelsenkirchen
ist so hoch wie nie zuvor.

Soll aus der einstigen Stadt der tausend Feuer
ein Armenhaus werden?

Kolleginnen und Kollegen,
die März-Verträge sind gescheitert.

Sie werden von der Ruhrkohle und von der DSK
in allen wesentlichen Punkten nicht mehr eingehalten.

Sie sind nur noch eine Methode,
die Kumpel ruhig zu halten.

Seit den März-Verträgen
werden den Arbeitern immer wieder neue Forderungen auferlegt,
die sie zu erfüllen haben.

Gleich der erste Vertrag strich die 7-Stunden-Klima-Schichten.

Die fällige Tariferhöhung vom letzten Jahr
wurde bis zum heutigen Tag ausgesetzt.

Stattdessen wurde diskutiert,
das Weihnachtsgeld mit Freischichten zu verrechnen
und damit den Kumpels
eine empfindliche Lohneinbuße zu verordnen.
Auch die jetzigen Tarifrunden verschleppen sich,
wahrscheinlich aus Angst vor Auswirkungen
für die SPD bei den Landtagswahlen.

Es muss Schluss sein
mit dem Verzicht auf Lohn und  Arbeitsbedingungen,
die keinen einzigen Arbeitsplatz retten,
sondern nur die Gewinne für die RAG garantieren.

Wir haben nichts gegen ein Besucher-Bergwerk.
Aber es ist keine Lösung der Probleme,
von denen wir hier reden.

Deshalb fordere ich hier
den sofortigen Stop der Zechenstilllegungen!

Wir brauchen einen neuen Vertrag,
der von den Interessen
der Arbeiter und Angestellten und der Bevölkerung ausgeht
und nicht von den Profitinteressen der Ruhrkohle AG.

Deshalb soll heute nicht nur getrauert werden.

Wir müssen auch in die Zukunft blicken,
in die Zukunft der Bergarbeiter,
ihrer Familien,
vor allem ihrer Kinder.

Unterstützt die Initiative für einen neuen Vertrag!
Der Vortrieb wird auch künftig
die Bergleute in ihrem Kampf
begleiten und solidarisch unterstützen.

Glück auf!

27.4.2000

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