Gedicht für einen Freund

Stefan Engel, 25 Jahre Parteivorsitzender – der Mitarbeiter und Freund Klaus W. Vowe erinnert sich – frei nach Mao Tsetung – an frühere Tage mit Stefan, nicht wehmütig – nostalgisch, sondern in Vorfreude auf das, was kommt.

Gedicht für einen Freund


Warmer Winter: Wir steh’n, zusammen.
Westwärts fließt der Rhein –
Um die Ruhrorter Spitze,
Wir seh’n Schlote, Märkte, KruppThyssen, das Post-Terminal.
Rauchfahnen, getrieben vom Westwind.
Was blieb von Rheinhausen?
Der Niederrhein, seine mühevollen Ebenen,
Pappeln, Krummweiden, struppiges Gras.
Die ganze Landschaft wie ein Ponyrücken.
Träge wälzt sich der Fluß, graugrünes Dunkel.
Kohleschlepper, Containerschiff aus dem Duisburger Hafen,
Einen Opel an Deck,
Wäscheleinen straff im Wind von Westen.
Ein Kind winkt zur Brücke, uns zu.
Möwen hier? Von der Abraumhalde, im kämpfenden Duett
Mit fetten Saatkrähen.
Keine Adler, die hoch in den Raum stoßen.
Wir fragen uns: Beneiden wir den Wind,
Der weht wie er will, Äste bricht, mit zauberischer Gewalt, Überall Eingang findet?
Der mit der Wurzel hervorzerrt, was morsch?
Kamen mit hundert Gefährten einst her.
Verbanden uns mit denen, die hier.
Gedanken an damals: stürmisch die Monate, die Jahre.
Wir waren Lehrlinge der Umwälzung, jung.
Belesen, voller Kraft;
Lernende, drängten vorwärts,
Sprengten angelegte Fesseln.
Zeigten mit Fingern auf unser Land,
Rüttelten auf mit unseren Schriften, analysierten die Lage.
Wisst ihr noch,
Wie die Arbeiter die Herren verachteten, aber noch zögerten?
Kein Kampf bleibt spurlos.
Wir haben alle gelernt.
Die große Unruhe machen wir Menschen, nicht der Wind.
Wir kennen die Zeit.
Noch immer winkt das Kind uns zu.
Es hat allen Grund dazu.

Klaus W. Vowe

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