Gedenkrede für Dr. Klaus Walter Vowe

Stefan auf der Gedenkveranstaltung

 

Stefan Engel am 3. Juli 2005


Liebe Vesna Buljevic,
lieber Rainer Vowe,
lieber Gerhard Vowe,
liebe Verwandte und Bekannte,
liebe Freunde und Genossen!

Wir haben uns heute hier eingefunden,
um gemeinsam
von Klaus Walter Vowe
Abschied zu nehmen.

Völlig unerwartet ist er am 20. Juni in Bochum
im Alter von 61 Jahren
an inneren Blutungen verstorben.

Als uns diese unheilvolle Nachricht erreichte,
waren wir alle fassungslos!

Sein Verlust scheint uns unbegreiflich.

Haben wir nicht gerade noch
mit ihm gesprochen,
mit ihm gescherzt,
uns verabredet?

Sein Tod ist wie eine Zäsur
in unserer Gemeinschaft,
aus der Klaus Walter jäh herausgebrochen wurde.

Tiefe Trauer und persönlicher Schmerz
wehren sich gegen die unverrückbare Tatsache,
dass er nun nicht mehr da ist.

Man kann diese Gefühle nicht einfach ausschalten.

Zuweilen verfolgen sie uns
bis in unsere Träume.

Aber wir können uns gegen
ihre lähmende Wirkung erwehren,
wenn wir uns besinnen und begreifen,
was scheinbar unbegreiflich ist.

Wir können und müssen unsere Trauer bewältigen,
auch darum sind wir heute zusammengekommen.


Es fällt schwer, den Tod zu akzeptieren.

Insbesondere, wenn es sich um
den geliebten Partner, Sohn, Bruder
oder den treuen Freund und Genossen handelt,
den man von ganzem Herz liebte
und ihm wünschte,
noch ein langes Leben zu führen und
von dem wir uns wünschten,
dass er uns noch lange erhalten bleibt.

Wir sind aber ohnmächtig
gegenüber dem Unverrückbaren,
an dem nichts mehr zu ändern ist.

Diese Ohnmacht erzeugt leicht Verzweiflung,
bei vielen Menschen auch Angst.

Nicht wenige sind geneigt,
den unangenehmen Gedanken
an den Tod zu verdrängen.

Das kann durchaus
negativ Einfluss auf das Leben nehmen,
indem man zum Beispiel in ständiger Abwehr
gegen den Tod lebt
oder auch mit irrationaler Panik
auf jede Gefahr reagiert.

Nach einem Gespräch schrieb ich
an einen 80-jährigen Bekannten
folgende Zeilen:

"Nur der ist zum Sterben bereit,
der sein Leben zu Ende gelebt hat,
der aufrichtig zurückblicken
und zu sich sagen kann:
Ich habe für die Menschheit gelebt.

Wer gelernt hat,
vor allem für das Wohl anderer zu leben,
der braucht den Tod nicht fürchten.
Denn auch der Tod
kann Unvergängliches nicht auslöschen."


Der Tod gehört ebenso zum Leben
wie das unaufhörliche
Entstehen neuen Lebens.

Leben und Tod eines einzelnen
sind vergängliche Formen
im ewigen Strom von Werden und Vergehen,
das den Weltzusammenhang ausmacht.

Das Leben mündet unausweichlich in den Tod,
aber der Tod bedingt auch neues Leben.

Kein Werden ohne Vergehen!

Aber:

"Kein Wesen
kann zu Nichts zerfallen!"

schreibt Goethe,

"das Ew`ge regt sich fort in allen,
am Sein erhalte dich beglückt!

Das Sein ist ewig: Denn Gesetze
bewahren die lebend`gen Schätze,
aus welchen sich das All geschmückt."


Während das Leben des einzelnen begrenzt ist,
existiert das menschliche Leben fort,
solange die natürliche Umwelt der Erde das zulässt.


Jeder Mensch spielt in seinem Leben
seine besondere Rolle
in der Entwicklung der Menschheit.

Er trägt mehr oder weniger dazu bei,
dass die menschliche Gesellschaft funktioniert
und wie sie sich entwickelt.

Dadurch findet das Lebens jedes Einzelnen
Eingang in das unvergängliche Erbe der Menschheit
und in die Grundlage
jedes menschlichen Lebens der Zukunft.

Jeder Mensch hinterlässt Spuren,
die nicht mehr auszulöschen sind.

Die Spuren des einen
sind vielleicht so wenig wahrzunehmen,
wie das einzelne Sandkorn in der Wüste.

Die Spuren des anderen
bleiben dagegen unvergessen,
weil er die Gesellschaft
so nachhaltig beeinflussen konnte,
dass er auch für die Nachwelt unübersehbar,
spürbar, fühlbar prägend bleibt.

Das können Spuren bestialischer Barbarei
und menschenverachtenden Treibens sein,
die der Menschheit fortan
als abscheuliche Mahnung
in Erinnerung bleiben.


Dann gibt es Menschen,
die sich um den menschlichen Fortschritt
verdient gemacht haben,
die Licht in das Dunkel
unerträglicher Zustände brachten
oder die uns etwas vorlebten,
das uns für immer
Ansporn und Zuversicht erzeugen wird.

Diese Menschen werden unvergessen bleiben.

Klaus Walter Vowe
gehört zweifellos zu den Unvergessenen!


Geboren wurde Klaus Walter am 8. April 1944
als erster von vier Söhnen
der Pfarrersfamilie Vowe in Moers am Niederrhein.

Er erlebte eine behütete Kindheit.

Von seinem Elternhaus lernte er Gerechtigkeitssinn,
Achtung und Liebe zu den Menschen,
aber auch die Disziplin,
die er sich sein Leben lang bewahrte.

Klaus Walter war ein aufgeweckter Junge
und zugleich zutiefst romantisch.

Gern stöberte er in der Bibliothek seines Vaters
und interessierte sich für Kunst und Kultur,
die im Hause Vowe gepflegt wurde.

Seine schulischen Leistungen waren
- zum Unbehagen seines Vaters -
eher schlecht.

Dessen Drohung,
"wenn er sitzen bleibe,
dann müsse er Bergbaulehrling werden",
schreckten ihn offenbar nicht.

Denn mit den Jungs aus dem Berglehrlingsheim nebenan
verstand er sich prächtig.


Er machte das Abitur.

Danach segelte er einige Monate mit dem
berühmten Segelschulschiff Gorch Fock
über die Meere.

Er liebte das Meer,
weshalb er seinen Urlaub am liebsten
in Holland an der Nordsee verbrachte.

Sein soziales Engagement
führte ihn in das schwärzeste Stadtviertel von New York
- nach  Harlem -
wo er einen Sommer lang
als Sozialarbeiter tätig war.

Diese Erfahrungen verstärkten seinen Entschluss,
neben Germanistik und Anglistik
Amerikanistik zu studieren.

Mit dem Elend lernte er aber auch
die dunklen Schattenseiten
des schillernden American-way-of-life kennen.

Seine Weltoffenheit und Neugier
verschlugen ihn nach dem Studium
für einige Zeit als Lehrer nach Südwales.


Sein politischer Werdegang
begann bei den jungen Freidemokraten,
für die er sogar einmal
bei Wahlen antrat.

Aber seine Erfahrungen mit dem Vietnamkrieg
ließen es nicht zu,
den Weg eines bürgerlichen Politikers
weiter zu gehen.

In einer kurzen persönlichen Vorstellung
zu seinem sechzigsten Geburtstag sagte er über sich selbst:

"Als Amerikanist dringt er tief ein
in die Geschichte des Vietnamkrieges
und stellt sich nach wenigen Wochen des Bedenkens
voll auf die Seite des vietnamesischen Volkes
und gegen die amerikanischen Imperialisten.

Der Antikommunismus,
der auch bei ihm wirkte,
zerbrach an der Frage,
ob denn das, was in der DDR,
in der Sowjetunion an Sozialismus verkauft wurde,
tatsächlich Sozialismus sei.

Ob nicht der Weg des
- damals noch sozialistischen - Chinas,
die Massen zur Kontrolle ihrer Führung anzuhalten
und sie dabei auszubilden,
nicht viel eher etwas mit Sozialismus zu tun habe.

Die Frage des Handelns war
deshalb auch unabdingbar geworden."

1971 organisierte er sich in Tübingen
in den Kommunistischen Studentengruppen.


1971 lernte er dort auch Kathy kennen und lieben.

Kathy schreibt in einem Brief an Klaus Walter:

"Du bist mir 1971 am Englischen Seminar sofort aufgefallen
mit deinem Charme, deinem verschmitzten Lächeln,
deinem einzigartigen Witz.

Ich war ‚nur' Schreibkraft,
du wissenschaftlicher Assistent.

Aber du warst nicht so
wie die meisten anderen Akademiker.

Du hast dich viel und gerne
mit uns werktätigen Frauen unterhalten,
und wenn du ins Zimmer kamst,
ging für uns alle die Sonne auf.

Du hast mich im Sturm erobert. "

Klaus und Kathy blieben 19 Jahre lang zusammen
und auch nach ihrer Trennung
in tiefer Freundschaft verbunden.


Nach Studium und Promotion arbeitete Klaus
im Amerika-Haus in Stuttgart als Programmdirektor
und später als Hochschullehrer
an der Universität Tübingen.

Zweifellos hätte Klaus
eine große akademische Karriere einschlagen können,
wenn er gewollt hätte.

Aber er verfolgte ein anderes Lebensziel.

1979 kündigte er seine Hochschullehrerstelle
mit Pensionsanspruch,
zog gemeinsam mit Kathy ins Ruhrgebiet.

Er wurde mein engster Mitarbeiter
in der Parteizentrale der MLPD,
zeitweise war er Mitglied
des Zentralkomitees der MLPD.


Es begann eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit
und herzliche Freundschaft,
die in den 26 Jahren
durch nichts getrübt werden konnte.

Wir waren ein außergewöhnliches Team,
das gerade durch seine Unterschiedlichkeit
so schöpferisch wirkte und sich gerade dadurch
ständig von Neuem belebte.

Klaus Walter war 10 Jahre älter als ich,
promovierter Hochschullehrer,
ein wandelndes Lexikon,
eine Koryphäe auf dem Gebiet
der Literatur und Kunst
und mit der seltenen Gabe ausgestattet,
in kürzester Zeit Berge von Papier zu bewältigen.

Ich selbst war damals 25 Jahre jung.

Als streitbarer Industriearbeiter
und Kämpfernatur
war ich gerade zum Politischen Leiter
des Zentralkomitees gewählt worden
und musste in diesen Schuh
erst einmal hineinwachsen.

Er war mir dabei eine unendliche Hilfe.

Klaus Walter arbeitete am liebsten allein,
ich dagegen war vor allem
Vordenker und Organisator
von kollektiven Arbeits- und Erkenntnisprozessen.

Klaus liebte den feinsinnigen Humor
und war Meister des geschriebenen Wortes.

Ich war eher Vertreter
einer klaren und schnörkellosen Sprache
und hatte meine Stärken
vor allem in der persönlichen Ansprache
und im Umgang mit einfachen Menschen.

Natürlich gab es auch immer wieder
unterschiedliche Auffassungen
oder Ansätze.

Aber diese wurden immer konstruktiv ausgetragen,
in gegenseitigem Respekt und
getragen von der Bereitschaft,
voneinander zu lernen.


Seine Bescheidenheit ließ es nicht zu,
dass er sich auf seine großen intellektuellen Fähigkeiten
etwas einbildete.

Sein unendlicher Arbeitseinsatz für den Sozialismus
hatte eine weltanschauliche Wurzel.

Als wir uns das erste Mal trafen,
schenkte er mir ein kleines,
ledergebundenes Büchlein
mit dem Titel "Die große Initiative".

Lenin hat darin
an Hand der sowjetischen Subbotniks
die kommunistische Arbeitsmoral beschrieben.

Er würdigte den selbstlosen und freiwilligen Einsatz
der russischen Arbeiter außerhalb ihrer Normalarbeitszeit
im Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion
nach der Oktoberrevolution.

Diesen selbstlosen Einsatz
hatte sich Klaus zum Vorbild genommen
und auch praktiziert -
bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit,
manchmal auch darüber hinaus.

So stand er jeden Tag um halb fünf auf,
um jeden Tag in vollen Zügen auszuschöpfen.


Auch an der Kleinarbeit an der Basis
beteiligte sich Klaus Walter unermüdlich.

So verkaufte er 25 Jahre lang,
nur unterbrochen von Urlaub und Krankheit,
bei Wind und Wetter
jede Woche bis zu seinem Tod
von fünf bis sechs Uhr
vor den Werkstoren von Krupp/Thyssen
in Bochum die "Rote Fahne".

Einfach mit der "Roten Fahne" dazustehen
und irgendwelche Parolen
zum Besten zu geben,
das war nicht das Ding von Klaus.

Er suchte mit jedem das Gespräch,
auch mit politisch Andersdenkenden.

Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000
meinte ein SPD-wählender Pförtner
etwas schadenfroh:

"Na, wie viel Prozent habt ihr denn bekommen?"

Klaus antwortete ihm:

"0,1 Prozent landesweit,
aber keiner der 6000 Leute,
die ihre Stimme der MLPD gaben,
wird sich darüber ärgern,

im Gegensatz zu dir,
wenn die nächsten Schweinereien der SPD kommen."

Wie wahr!

Mit seiner unermüdlichen Kleinarbeit
baute Klaus zu vielen Stahlarbeitern
ein herzliches Verhältnis auf
und hat viele von ihnen
als Käufer der "Roten Fahne" gewonnen.


Klaus litt schon,
als ich ihn 1979 kennen lernte,
an Asthma und einem Herzleiden.

Wir mussten ihn immer wieder drängen,
mehr auf seine Gesundheit zu achten.

Aber darüber wollte er nicht gerne reden,
wie er überhaupt von seiner Person
nie viel Aufhebens machte.

Mitte der 1990er Jahre war ein Punkt erreicht,
an dem er in seinem Arbeitseinsatz
einen Gang zurückschalten musste.

Klaus Walter trat vor allem
aus gesundheitlichen Gründen
aus der "ersten Reihe" der Parteiarbeit zurück
und schied 1996 als hauptberuflicher Parteiarbeiter aus.


Er kehrte in den Lehrbetrieb
an der Universität in Duisburg zurück.

Nie hatte er seine leidenschaftliche Beschäftigung
mit Literatur und Kunst völlig aufgegeben.

Jetzt wurde sie wieder zu seinem Beruf.

In seinen Vorlesungen versuchte er,
allseitig an die Themen heranzugehen,
der gesellschaftliche, politische Zusammenhang
war immer mit enthalten.

Das war sein Markenzeichen bei den Geisteswissenschaftlern.

Seine Studenten mochten ihn sehr.

Daniel schreibt:

"Auch bevor ich ihn etwas näher kannte,
hatte er einen ziemlichen Eindruck
auf mich gemacht
und das war ja doch bei vielen Studenten so.

Ich glaube, dass es nur selten den Fall gab,
dass jemand nur ein Seminar bei ihm besucht hat.

Ich kann mich erinnern,
dass er zwar selbst einmal gesagt hat,
er wisse, einen gewissen Unterhaltungswert zu haben,
aber das allein kann es in seinem Fall
nun nicht gewesen sein.

In unseren Augen passte einfach alles,
so, wie er es vortrug.

Es wirkte nicht aufgesetzt,
weit hergeholt oder sonst wie.

Und sein Humor war wohl gerade in so einer
Durchgangsinstitution wie die Uni
in dieser Form ein doch sehr selten gewordener.

Aber er nahm sich auch Zeit für die Studenten,
das Thema, das Seminar.

Er suchte den Kontakt,
und ließ Kontakt auch zu.

Von oben herab distanziert gab er sich nie.

Im Gegenteil, eher war ich zu schüchtern gewesen
für diese gleichberechtigte undominierende Art,
die mir aber sehr gefiel und mich anzog!"


Es gab kaum einen Film,
kaum ein Buch der Weltliteratur,
das er nicht kannte.

Wer Fakten, Daten, passende Zitate brauchte,
fragte "Kv", wie wir ihn liebevoll nannten.

Seine Fähigkeit,
Vorträge und Reden zu schreiben,
nutzte er auch auf kulturellem Gebiet
außerhalb seines Berufes.

Unzählige Geburtstage bereicherte und beglückte er
mit seinen Reden und Gedichten.

Es machte ihm großen Spaß,
in "rf-news" Filmtipps zu geben und in größeren Abständen
seine Lieblingsfilme bei SAGO,
einem kleinen Theater in Essen, vorzuführen.


Es ist sicherlich kein Zufall,
dass Klaus Walter sich vor 14 Jahren
unsterblich in Vesna Buljevic verliebte.

Sie war nicht nur die "schöne Kroatin",
wie er sie liebevoll würdigte,
sondern hatte als Schauspielerin
und glühende Revolutionärin
auch eine besondere gemeinsame Wellenlänge mit ihm.

Zwischen ihnen entwickelte sich
eine fruchtbare kulturelle Zusammenarbeit,
die wir bei szenisch-literarischen Abenden
über Bertolt Brecht,
den türkischen Dichter Nazim Hikmet
oder den chilenischen Nobelpreisträger Pablo Neruda
kennen lernen konnten.


Politisch betätigte er sich weiter
am Aufbau der "Gesellschaft zur Förderung
wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung",
deren Leiter er bis zu seinem Tode blieb.

Als ehemaliger enger Vertrauter von Willi Dickhut
beteiligte er sich aktiv als Geschäftsführer
am Aufbau des Museums
zur Würdigung Willi Dickhuts,
dem kommunistischen Arbeiter,
dem aktiven Widerstandskämpfer,
dem Mitbegründer und Vordenker der MLPD.

In den letzten beiden Jahren
beteiligte er sich als Mitinitiator
an dem Projekt einer Offenen Universität,
die im Oktober letzten Jahres
zum ersten Mal
mit großem Erfolg
hier in diesem Arbeiterbildungszentrum tagte.

 

Es war ihm ein Anliegen,
den Gedanken der Offenen Universität
als ein für jedermann zugängliches Forum
für fortschrittliche Wissenschaft,
Kultur und Forschung zu unterstützen,
deren Erkenntnisse vom bürgerlichen Bildungsbetrieb
nicht selten verdrängt oder gar unterdrückt werden.

Er war einer der Sprecher
des Wissenschaftlichen Beirats der Offenen Universität
und entwickelte großes Engagement,
neue Verbindungen zu kritischen Wissenschaftlern
und Kulturschaffenden aufzubauen
und deren Erkenntnisse
einem breiten Publikum nahe zu bringen.

Er verstand es,
Menschen mit einer unterschiedlichen sozialen Lage
und Geschichte zusammenzubringen
und wurde durch seine Arbeit
ein wichtiges Bindeglied
zwischen Arbeitern und Akademikern.


Christlich erzogen und aufgewachsen
entwickelte er sich unter dem Eindruck
seiner dialektisch-materialistischen Weltanschauung
zu einem engagierten Religionskritiker.

Klaus war seit 25 Jahren
Mitglied im Deutschen Freidenkerverband.

Hier in Gelsenkirchen war er
seit zehn Jahren Orts-Vorsitzender und
seit Jahren Mitglied im Landesvorstand.

Mit Karlheinz Deschner,
dem führenden Kirchenkritiker und Verfasser
der monumentalen "Kriminalgeschichte des Christentums"
fühlte er sich freundschaftlich verbunden.


Bei allen hervorragenden Fähigkeiten und Hinterlassenschaften
blieb "Kv" ein großartiger, ganz normaler Mensch.

 Genossen aus Bochum schreiben über ihn:

"Klaus, der seine intellektuelle Prägung
weder verleugnete noch mit ihr kokettierte,
verstand sich mit den einfachen Menschen zu verbinden.

Seine Bescheidenheit war echt und kam vom Herzen,
weil er die Menschen liebte."

Gleichzeitig  kümmerte er sich auch
um die täglichen Dinge des Lebens,
betrieb sie mit derselben Systematik
wie bei der wissenschaftlichen und politischen Arbeit.

Vesna sagt über Klaus:

"Immer freitags wurde das Bad geputzt.
 
Einmal im Monat ging er mit seiner Mutter ins Konzert.
 
Er hat sich liebevoll um seine Familie
und insbesondere um seine Mutter gekümmert.

Mit 40 Jahren hat er Kochen gelernt und
brachte es zu so anspruchsvollen Gerichten
wie Gemüse-Lasagne.

Er konnte auch stur sein wie ein Esel.

Er weigerte sich,
im Winter eine Mütze aufzusetzen,
Handschuhe im tiefsten Winter lehnte er ab.

Dafür zog er sich im Sommer warm an."

Freunde und Genossen aus Bochum berichten:

"Freunde wurden von ihm regelmäßig
an Geburtstagen mit Karten
und kleinen Geschenken bedacht.

Tief hat sich das Bild in uns eingeprägt,
wenn Klaus seine Brille hochschob
und aus seinem geliebten Taschenkalender
einen Sinnspruch anlässlich eines Geburtstags
zum Besten gab.

Klaus war ein stilvoller Genießer.

Er genoss die Gesellschaft mit anderen Menschen,
liebte gute Gespräche
bei einem guten Essen und einem Glas Wein.

Man war gerne mit ihm zusammen
und suchte seine Nähe.

Nur über den Geruch seiner Zigarren
gab es im Freundeskreis geteilte Meinungen.

Er war liebenswert und
hatte einen warmherzigen Humor,
der ihn bis zu seinem Tod nicht verließ."


So mancher fragte sich bei der Nachricht seines Todes,
ob er noch leben könnte,
wenn er weniger gearbeitet,
auf seine geliebten Zigarren verzichtet
und mehr Sport getrieben hätte.

Aber Klaus Walter wollte nicht anders.

Er hatte einmal (sinngemäß) in sein Büchlein geschrieben:

"Besser man lebt sein Leben so,
wie man es möchte,
auch wenn es dann
ein paar Jahre kürzer ist."


Klaus Walter hatte ein erfülltes Leben.

Er wurde von vielen geliebt und geachtet.

Wir werden seine Fröhlichkeit und
seinen unerschütterlichen Optimismus,
seinen tiefgründigen Humor,
seine frechen Sprüche,
seine sprudelnden Ideen,
seinen unermüdlichen Einsatz,
seine Fürsorge und Herzlichkeit vermissen.


Wer unvergessen ist,
der ist nicht tot,
der ist nicht fern,
tot ist,
wer vergessen ist.


Klaus Walter Vowe,
wir werden dich nie vergessen!

In unseren Herzen wirst du weiterleben!

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