"Wer etwas verändern will, der muss gegen den Strom schwimmen"

Auszug aus der Rede von Stefan Engel auf der Großveranstaltung am 30.3.2002 zum Landtagswahlkampf der MLPD in Sachsen-Anhalt

"Ich habe diese Woche bei Wahlkampfeinsätzen mitgemacht, unter anderem in Merseburg, und habe verschiedentlich die Erfahrung gemacht, (...) dass viele Leute in einer äußersten Verbitterung befangen sind. (...) Diese Verbitterung ist einerseits berechtigte Enttäuschung und auch Abwendung von den bürgerlichen Parteien und ihren leeren Versprechungen. Zum anderen ist sie aber auch Ausdruck davon, dass die Leute noch nicht bereit sind, für ihre Zukunft zu kämpfen. Und es ist auch Ausdruck einer Denkweise, die noch aus dem Revisionismus der DDR herrührt.
Was ist das für eine Denkweise? Es ist eine Denkweise, dass "irgendeiner etwas für mich tun muss". Es ist die Denkweise, die widerspiegelt, dass viele Leute hier gewöhnt sind, dass irgendwelche Bürokraten für sie denken und dass sie bevormundet werden. Die Leute müssen sich aber lösen aus der Bevormundung und müssen Verantwortung für sich, für ihre Kinder und ihre Klasse übernehmen.
Es ist zweitens eine Denkweise: "...Ich habe so schlechte Bedingungen, ich bin arbeitslos, jetzt soll ich auch noch Politik machen? Ich doch nicht, das sollen doch die machen, die Geld haben." Nur: Wenn die Politik machen, die Geld haben, glaubst du, da kommt was für die Armen raus?
Es ist eine revisionistische Denkweise. Diese revisionistische Denkweise ist eine Abkehr vom Marxismus-Leninismus derart, dass man sagt, man kann nur noch unter guten Bedingungen kämpfen. Man kann gar nicht mehr revolutionär denken, man kann sich nur noch anpassen. Anpassen an die Bedingungen. Selbst wenn es die Bedingungen des Kapitalismus sind.
Und daher kommt ja der ganze Kokolores vom friedlichen Weg zum Sozialismus, vom Gang durch die Parlamente, von der Anpassung an die SPD usw., die bis zum Niedergang dieser DDR geführt hat. (...)
Und drittens: Es ist auch eine Mentalität: "Nur nicht anecken". (...)
Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir, wenn wir etwas tun, auch gegen den Strom schwimmen müssen. Die Arbeiterklasse kann für ihren Kampf nicht immer nur günstige Bedingungen erwarten. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte es keinen antifaschistischen Widerstand gegeben. Selbst in den KZs hat es diesen Widerstand gegeben. Selbst in den Militärdiktaturen dieser Welt, in den Ländern der dritten Welt, denen es noch viel dreckiger geht als den Menschen hier. Da entfalten sich Massenkämpfe, da werden Demonstranten auf offener Straße erschossen. Sollen die alle nicht kämpfen, weil ihre Bedingungen nicht gut sind? Das ist eine revisionistische Denkweise.
Wer etwas verändern will und wer wirklich etwas tun will, der muss gegen den Strom schwimmen! Das ist ein Grundprinzip der gesellschaftsverändernden, revolutionären Denkweise, die wir alle brauchen, alles andere hat keinen Sinn. (...)
Ich habe einen großen Respekt vor den Menschen hier in den neuen Bundesländern. Denn sie haben etwas geschafft, was die Arbeiterklasse in Westdeutschland seit dem II. Weltkrieg nicht geschafft hat. Sie haben eine Regierung und eine gesellschaftliche Struktur, die sie nicht mehr wollten, durch ihren Kampf abgeschafft und damit die Grundlage der Wiedervereinigung erkämpft. (...)
Deswegen möchte ich an die Menschen appellieren: Erinnert euch an eure große Tradition, lasst euch nicht hängen! Kämpft und beteiligt Euch daran, dass wir auch heute unsere Rechte durchsetzen im Kampf gegen diese Regierung, im Kampf für eine bessere Gesellschaft, den echten Sozialismus."

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