Die Dialektik des Zweifelns

Keine Denkweise kann ohne den Zweifel auskommen.
Doch im Zweifel steckt die ganze Dialektik
des Kampfes um die Denkweise.
Er kann Hell dorthin bringen,
wo es scheinbar dunkel ist.
Er kann aber auch die Helligkeit trüben,
die Klarheit vernebeln.
Er kann Fragen aufwerfen,
ohne die keine neuen Antworten möglich sind.
Er kann aber auch infragestellen,
was sich bereits mühsam herausgebildet hat.
Er kann Dinge aufspüren dort,
wo es scheinbar nichts mehr zu finden gibt.
Er kann aber auch Dinge in die Welt setzen,
die dem Vorwärtsschreiten zum Hindernis werden.
Er kann dort ernüchtern,
wo die Verklärung bereits vieles überlagert hat.
Er kann aber auch Träume zerstören,
ohne die kein Mensch seine revolutionäre Sache tragen kann.
Er kann Wachsamkeit erzeugen
und Vertrauen schöpfen.
Er kann aber auch Vorbehalte erzeugen
und Mißtrauen zwischen das Kollektiv säen.
Er kann der Beginn größerer Veränderungen sein,
ohne die niemals das Neue über das Alte siegen kann.
Er kann aber auch das Ende des neuen Anfangs bedeuten,
indem er Zersetzung und Zerstörung in Gang setzt
und so den allgemeinen Niedergang einleitet.
Zweifeln ist notwendig,
noch wichtiger aber ist der Zweifel am Zweifel!
Zweifeln ist Aufbruch,
wenn es gelingt, es in Gewißheit umzuwandeln.
Zweifeln ist revolutionär,
wenn er nach vorne gerichtet ist.
Zweifeln ist schöpferisch,
wenn es der Unvollkommenheit beikommen will.
Zweifeln ist ermunternd,
wenn es nicht in Verzweiflung ausartet.
Zweifeln muß gekonnt sein,
sonst gerät es zur Rechtfertigung gegen das Neue.
Zweifeln muß gezielt angewendet werden,
sonst wird daraus Verunsicherung.
Zweifeln ist ein grundlegendes Element der Kritik und Selbstkritik,
in seiner Unzulänglichkeit aber
richtet er sich gegen jede Entwicklung!
Deshalb gilt immer:
Den Zweifel anzuzweifeln!

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