Über die theoretische Arbeit

Redebeitrag von Willi Dickhut, Leiter der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG, II. Parteitag der MLPD 1985


Die Arbeiterklasse braucht im Klassenkampf zur Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung, zum Sturz der herrschenden Klasse, zur Eroberung der Macht und des Aufbaus des Sozialismus ihre eigene Klassentheorie. Lenin betonte in »Die ehrliche Stimme eines französi­schen Sozialisten«:
»Die gewaltige, in der Welt noch nie dagewesene Befreiungsbewegung einer unterdrückten Klasse, der revolutionärsten Klasse der Geschichte, ist unmög­lich ohne revolutionäre Theorie. Sie kann nicht ausgedacht werden, sie wächst heran aus der Gesamtheit der revolutionären Erfahrungen und der revolutio­nären Ideen aller Länder der Welt. Und eine solche Theorie ist herangewach­sen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie heißt Marxismus.« (Lenin Werke Bd. 21, S. 358)

Die Theorie der Arbeiterklasse ist der Marxismus- Leninismus. Sie ist aber nicht ein für allemal zu jeder Zeit gegeben, sie ist kein Dogma, kein unumstößlicher Glaubenssatz. Nein, der Marxismus-Leninismus ist eine lebendige Wissenschaft, die ständig den Veränderungen in der menschlichen Gesellschaft anzupassen ist und weiterentwickelt werden muß. Auch Lenin wies darauf hin:
»Wir betrachten die Theorie von Marx keineswegs als etwas Abgeschlosse­nes und Unantastbares; wir sind im Gegenteil davon überzeugt, daß sie nur das Fundament der Wissenschaft gelegt hat, die die Sozialisten nach allen Richtungen weiterentwickeln müssen, wenn sie nicht hinter dem Leben zu­rückbleiben wollen.« (Lenin, Werke, Bd. 4, S. 205/206)
Darum ist jeder Marxist-Leninist verpflichtet, an der Ausarbeitung und Anwendung dieser Theorie mitzuarbeiten.

Nehmen wir als Beispiel den Rechenschaftsbericht des ZK der MLPD. Er spiegelt ja nicht nur die praktische Tätigkeit der Partei wider, sondern dokumentiert auch die theoretische Grundlage, die ideologisch-politische Linie der MLPD. An der Ausarbeitung und Verbesserung des Rechenschaftsberichts haben das ZK sowie alle Leitungen und Mitglieder mitgewirkt.
Auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus wurden im REVO­LUTIONÄREN WEG die Veränderungen in der Gegenwart analy­siert, neue Erkenntnisse gewonnen und theoretisch weiterentwickelt. Durch die konkrete Anwendung in der politischen und organisatori­schen Tätigkeit der Partei werden Theorie und Praxis eng verbunden. Jede neue Erkenntnis ist ein Sprung in unserer politischen Tätigkeit und eine Waffe im Klassenkampf. Je mehr wir uns diese Waffe aneignen, sie immer wieder schärfen, um so besser können wir unsere Praxis, die tagtägliche Kleinarbeit im Betrieb und Wohngebiet, ausüben.
Der REVOLUTIONÄRE WEG ist als ideologisch-politisches Kampforgan entstanden und mit dem Parteiaufbau aufs engste verbunden. Ohne unser theoretisches Organ wäre der ideologisch-politische Sieg über alle Arten des Liquidatorentums, des Revisionismus und Reformismus nicht möglich gewesen.

Die theoretische Arbeit am REVOLUTIONÄREN WEG ist deshalb einer besonderen Verantwortung unterworfen, sowohl der Partei und ihren Nebenorganisationen als auch der Arbeiterklasse gegenüber. Das fordert alle Mitarbeiter zu größter Sorgfalt in der Erstellung des Manuskripts heraus. Das heißt nicht, daß keine Fehler gemacht wurden. Diese Fehler waren aber nicht grundsätzlicher Art, daß heißt, sie standen nicht im Widerspruch zum Marxismus-Leninismus. Das setzt aber eine gründliche Kenntnis des Marxismus-Leninismus voraus, auch ein Allgemeinwissen über die Entwicklung der Gesellschaft und Natur. Mancher Genosse, der am REVOLUTIONÄREN WEG mitarbeiten sollte, hatte die theoretische Arbeit unterschätzt und sich selbst überschätzt.

Umfangreiches Buchwissen reicht nicht zur theoretischen Arbeit aus. Man muß das Wesen des Marxismus-Leninismus begriffen haben. Was bedeutet das? Lenin weist darauf hin:
»Heute enthalten unsere Reden und Artikel nicht einfach eine Wiederholung dessen, was früher über den Kommunismus gesagt worden ist, denn unsere Reden und Artikel sind mit der tagtäglichen und allseitigen Arbeit verbunden. Ohne Arbeit, ohne Kampf ist das aus den kommunistischen Broschüren und Werken geschöpfte Bücherwissen über den Kommunismus keinen Pfifferling wen ...« (Lenin, Werke, Bd. 31, S. 274)

Das Wesen des Marxismus-Leninismus liegt in der dialektischen Einheit von Theorie und Praxis begründet, beide Seiten stehen in Wechselwirkung zueinander. Gewisse Leute predigen »Hauptseite Theorie« oder »Neue Hauptseite Theorie«, was auf »nur Theorie« hinausläuft. Sie haben das Wesen des Marxismus-Leninismus nicht begriffen und können darum keine Theoretiker der Arbeiterklasse sein.

Theoretische Arbeit leisten setzt darum voraus: umfassendes Studium des Marxismus-Leninismus verbunden mit einem Schatz von praktischen Erfahrungen. Sie muß schöpferisch sein, um der Praxis der Partei den richtigen Weg zu weisen.

Genossinnen und Genossen, in diesem Sinne, werdet Theoretiker der Arbeiterklasse!

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