Die proletarische Streitkultur im Kampf um die Denkweise der Massen (Teil VI)

"Rote-Fahne"-Artikelreihe zur proletarischen Streitkultur, Teil VI

streitkultur6.jpgDie proletarische Streitkultur unter den Massen ist untrennbar mit der Strategie und Taktik der Führung und Höherentwicklung des proletarischen Klassenkampfs verknüpft. Sie ersetzt nicht die revolutionäre Strategie und Taktik, sondern sie zielt darauf ab, dass die Strategie und Taktik der MLPD zur Strategie und Taktik der Massen wird und sie den Weg des Kampfes für den Sozialismus gehen.

Drei Ebenen im Kampf um die Denkweise der Massen

Dabei müssen wir drei unterschiedliche Ebenen im Kampf um die Denkweise der Massen unterscheiden:

Erstens die proletarische Streitkultur unter einer indifferenten Masse, z.B. im Rahmen einer Aktionseinheit zur Vorbereitung des Antikriegstags, aber auch bei der Organisierung eines Streiks usw. Hier steht im Zentrum die Einheit auf der Grundlage des gemeinsamen Kampfes. Das findet seinen Niederschlag in der einvernehmlichen Aufstellung und Verwirklichung klarer Regeln, Forderungen und Kampfformen. Die proletarische Streitkultur bezieht sich gerade auf diese gemeinsamen Vereinbarungen in Verbindung mit sozialistischer Überzeugungsarbeit.

Zweitens die proletarische Streitkultur in oder gegenüber Selbstorganisationen der Massen (Gewerkschaften, überparteiliche Frauenorganisationen usw.). Hier besteht eine organisierte Einheit auf der Basis der Überparteilichkeit, der weltanschaulichen Offenheit, der finanziellen Unabhängigkeit und der breitesten Demokratie. Das Kernproblem zur Verwirklichung dieser wesentlichen Merkmale der überparteilichen Selbstorganisationen ist der moderne Antikommunismus. Ohne ihn zu überwinden, kann es keine wirkliche Überparteilichkeit geben.

Drittens die proletarische Streitkultur in bürgerlichen Einrichtungen oder auf bürgerlichem Terrain, z.B. im Parlament, im Betriebsrat, in oder gegenüber den bürgerlichen Medien. Hier muss die formale Einheit auf der Grundlage der bürgerlichen Demokratie genutzt und gegebenenfalls durchbrochen werden. Bei strikter Orientierung an der Massenlinie und Erziehung der Massen zur Selbstbefreiung geht es auch darum, dem Gegner den Schneid abzukaufen, sich Respekt und politische Spielräume zu verschaffen usw.

Proletarische Streitkultur in und gegenüber den Selbstorganisationen der Massen

Der Schlüssel für den Weg der MLPD zur Partei der Massen ist das Wechselverhältnis zwischen Parteiaufbau neuen Typs und der Förderung der Selbstorganisation der Massen. Die MLPD lehnt es grundsätzlich ab, parteiliche "Fraktionen" in solchen Selbstorganisationen zu entwickeln oder den untauglichen Versuch zu übernehmen, durch irgendwelche Direktiven, Selbstorganisationen der Massen etwas vorschreiben zu wollen.

Im REVOLUTIONÄREN WEG 28 heißt es so zur Rolle überparteilicher Selbstorganisationen der Frauen:

"Wirkliche Überparteilichkeit als Basis einer selbständigen und kämpferischen Selbstorganisation der Masse der Frauen ist von grundlegender Bedeutung. Diese Einsicht hat sich in Deutschland als ein Wesensmerkmal der Arbeit der marxistisch-leninistischen Partei neuen Typs erwiesen ..." (S. 288/ 289, Hervorhebung im Original)

Zu ihren Aufgaben führt der REVOLUTIONÄRE WEG 28 aus: "Wir sehen unsere Aufgabe darin, erstens jede wirkliche Selbstorganisation der Massen auf der Grundlage des Kampfes zu unterstützen. Wir verteidigen und fördern dabei die wirkliche Überparteilichkeit und die finanzielle Unabhängigkeit. Wir tun das aus der tiefen Überzeugung, daß die Massen sich nur selbst befreien können. Die Ausgebeuteten und Unterdrückten müssen ihre eigenen Erfahrungen machen und ihre eigenen Schlüsse ziehen. Damit ziehen wir auch Lehren aus derGeschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegungen, wo es tatsächlich Bestrebungen gab, Massenorganisationen organisatorisch an sich zu binden, statt eine geduldige Überzeugungsarbeit zu machen. Zweitens treten wir natürlich für unser Programm des echten Sozialismus ein." (S. 292)

Es liegt auf der Hand, dass die Mitglieder der MLPD, die in solchen Selbstorganisationen tätig sind, für ihre Arbeit entsprechend befähigt werden müssen. Starre Richtlinien und dergleichen sind dabei untaugliche Methoden und würden die Überparteilichkeit verletzen. In der Arbeit in diesen Selbstorganisationen tauchen ständig neue Fragen auf, müssen Beschlüsse gefasst werden usw.

Es ist daher Aufgabe der proletarischen Streitkultur in der Partei, unsere Mitglieder zur selbständigen Durchführung der Parteiarbeit in und gegenüber den Selbstorganisationen der Massen zu befähigen

In und gegenüber den Selbstorganisationen der Massen zielt die proletarische Streitkultur entsprechend darauf, den Massen zu helfen, ihre gesellschaftliche Rolle der Selbstbefreiung auszufüllen. Das erfordert einen Kampf gegen die verschiedenen Facetten der kleinbürgerlichen Denkweise. Die Marxisten-Leninisten lehnen es ab, stellvertretend für die Massen zu handeln. Immer wieder tauchen dagegen auch in Selbstorganisationen der Massen z.B. sozialarbeiterische Konzepte auf, wie in der Frauenarbeit Vorstellungen, es käme nur darauf an, "dass Frauen einmal unter sich sein können" usw. Der Masse der Frauen muss aber geholfen werden, wie sie den Ballast der ihnen aufgezwungenen kapitalistischen Lebensverhältnisse abschütteln können und gegen die wahren Ursachen ihrer Lage vorgehen lernen.

Je größer der Masseneinfluss dieser Selbstorganisationen wird, je allseitiger und komplexer die Beziehungen zu Menschen unterschiedlicher Herkunft, Ansichten und Gepflogenheiten usw. desto höher sind dabei die Anforderungen an die proletarische Streitkultur zur Verwirklichung der marxistisch-leninistischen Erziehungsarbeit.

Die Bedeutung der weltanschaulichen Offenheit

Für die Höherentwicklung der Wechselbeziehung zwischen Partei und Massen ist ausschlaggebend, dass die Parteiarbeit auf der Grundlage der proletarischen Denkweise erfolgt und die überparteilichen Selbstorganisationen der Massen auf Grundlage der weltanschaulichen Offenheit arbeiten.

Gerade die weltanschauliche Offenheit wird von der kleinbürgerlichen Denkweise attackiert und immer wieder versucht, die Marxisten-Leninisten in den Selbstorganisationen auszugrenzen. Das ist eine Widerspiegelung des gesellschaftlichen Systems der kleinbürgerlichen Denkweise, das darauf ausgerichtet ist, die Selbstorganisationen auf die Grundlage des modernen Antikommunismus zu stellen. Zur Bedeutung dieser Frage in der Frauenarbeit heißt es im REVOLUTIONÄREN WEG 28:

"Insbesondere der kleinbürgerliche Feminismus erhebt einen kleinbürgerlichen Führungsanspruch in der Frauenbewegung. Dazu betreibt er eine undemokratische Politik der Ausgrenzung der proletarischen Frauenbewegung. Im Kern richtet sich dieser Führungsanspruch gegen den Marxismus-Leninismus, den er mit antikommunistischen Vorbehalten isolieren oder durch Unvereinbarkeitsbeschlüsse aus der Frauenbewegung heraushalten will. Er ist untrennbar verbunden mit einer Geringschätzung der breiten Masse der Frauen. Das kann zur Spaltung und Liquidierung der Frauenmassenbewegung führen, wenn es die Marxisten-Leninisten nicht schaffen, das durch geduldige Überzeugungsarbeit abzuwenden." (Hervorhebung im Original, S. 310)

Es ist sehr wichtig, den antikommunistischen Vorbehalten offensiv zu begegnen. Das erwies sich auch als ein Erfolgsgarant des überparteilichen Frauenverbands Courage, der gerade in dem Maße, wie er mit antikommunistischen Vorbehalten fertig wurde, in den letzten Jahren als einzige Frauenorganisation der BRD seinen politischen Einfluss wesentlich ausweiten konnte.

Zugleich gibt es an der Propagierung der weltanschaulichen Offenheit auch eine kleinbürgerlich-dogmatische "Kritik", nach der das der bürgerlichen Ideologie geradezu Vorschub leisten würde und sogar konterrevolutionär sei.

Tatsächlich ist der Kampf um eine weltanschauliche Offenheit, um eine Offenheit für eine von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Gesellschaft, eine notwendige Grundlage für eine kämpferische Selbstorganisation der Massen und zugleich für den Kampf zur Durchsetzung des demokratischen Rechts auf die Freiheit einer legalen Massenarbeit der Marxisten-Leninisten. In Deutschland arbeiten zirka 95 Prozent aller Massenorganisationen auf strikt antikommunistischer Grundlage. Marxisten-Leninisten werden durch Unvereinbarkeitsbeschlüsse ausgeschlossen, die Anerkennung der angeblichen "freiheitlich-demokratischen Grundordnung" zur Voraussetzung gemacht für die Mitgliedschaft. Das gilt z.B. für die etwa 8 Millionen Gewerkschaftsmitglieder, die 11 Millionen im Deutschen Frauenrat, sowie die Millionen im Deutschen Jugendring Zusammengeschlossenen.

Somit ist der Kampf um das Prinzip der weltanschaulichen Offenheit ein wesentliches Element der proletarischen Streitkultur im Kampf gegen eine vom modernen Antikommunismus geprägte kleinbürgerliche Streitkultur unter den Massen.

Überhaupt sind gemeinsame Prinzipien und Regeln in den Selbstorganisationen der Massen unverzichtbar, denn eine demokratische Streitkultur kann nur auf prinzipieller Grundlage erfolgen. Die kleinbürgerliche Streitkultur attackiert dagegen diese Prinzipien, propagiert eine unverbindliche Zusammenarbeit, um Spielraum für den eigenen kleinbürgerlichen Führungsanspruch zu erhalten.

Der praktische Maßstab für die proletarische Streitkultur zur Verwirklichung der führenden Rolle der Partei gegenüber den Massen ist die Durchbrechung der relativen Isolierung der MLPD. 

Stefan Engel

Hiermit ist unsere Artikelserie zur proletarischen Steitkultur abgeschlossen - wir freuen uns über Zuschriften zu diesem Thema!

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