Die proletarische Streitkultur in der Parteiarbeit (Teil V/1)

"Rote-Fahne"-Artikelreihe zur proletarischen Streitkultur, Teil V (1. Folge)

streitkultur5_1.jpgIn den bisherigen Abschnitten der Artikelserie wurden verschiedene allgemeine Seiten, Merkmale und Grundzüge der proletarischen Streitkultur behandelt.

Die proletarische Streitkultur hat zugleich auf jedem Gebiet der marxistisch-leninistischen Parteiarbeit ihre Besonderheiten. Denn die entscheidende Bedingung für die Entwicklung der proletarischen Denkweise ist die Überlegenheit der proletarischen Denkweise im Kampf gegen die kleinbürgerliche Denkweise. Diese gestaltet sich auf jeder Ebene des Kampfs entsprechend dem allgemeinen Kräfteverhältnis zwischen der proletarischen und kleinbürgerlichen Denkweise quantitativ und qualitativ unterschiedlich.

Im marxistisch-leninistischen Parteiaufbau ist die proletarische Denkweise allgemein vorherrschend. Das ist allerdings an die Bedingung gebunden, dass die fünf grundsätzlichen Seiten des Parteiaufbaus verwirklicht werden. Sie wurden im REVOLUTIONÄRER WEG 10 dargelegt:

"1. Der Marxismus-Leninismus, die ideologische Grundlage der Partei.

2. Das Programm, die politische Linie der Partei.

3. Die Organisation, das Instrument der praktischen Tätigkeit der Partei.

4. Der demokratische Zentralismus, das Organisationsprinzip der Partei.

5. Kritik und Selbstkritik, das Entwicklungsgesetz der Partei." (S. 5)

Nur die Kader der Partei können es gewährleisten, dass diese fünf grundsätzlichen Seiten des Parteiaufbaus in ihrer Identität als dialektische Einheit von Theorie und Praxis begriffen und verwirklicht werden und die Partei damit auf der Grundlage der proletarischen Denkweise arbeitet.

Im Zentrum der Kaderarbeit neuen Typs

Die proletarische Streitkultur in der Parteiarbeit steht im Zentrum der Kaderarbeit neuen Typs auf der Grundlage der proletarischen Denkweise. Sie verwirklicht die allgemeine Grundlinie in der Führung der Partei, dass Kader alles entscheiden. Die Leitlinie dieser Kaderarbeit ist die Erziehung von selbständig denkenden und handelnden Kadern. Sie müssen lernen, Fehler zu vermeiden.

Auf dem VI. Parteitag der MLPD berichtete die Zentrale Kontrollkommission der MLPD über die Erfahrungen bei der Anwendung der proletarischen Streitkultur in der Kaderarbeit:

"Was bei all dieser Kaderarbeit beeindruckend war, ist die Beweglichkeit der Denkweise. Wenn die Denkweise verändert wurde, waren sehr schnelle Entwicklungen und Bewegungen möglich.

Was mit tausend Kritiken und Hinweisen von außen wie eine undurchführbare Aufgabe behandelt wurde, konnte so - manchmal innerhalb von Stunden - nicht nur gelöst, sondern schöpferisch weiterentwickelt werden. Die Denkweise entscheidet über die Entwicklung und sie ist das beweglichste Instrument in Klassenkampf und Parteiaufbau. (...) Selbst bei äußerst komplizierten Situationen gibt es einen Ausweg. (...)

Die Hauptmerkmale der proletarischen Streitkultur, die sich im Prozess des Übergangs auf die neue Grundlage herausgebildet haben, sind:

  • Die Auseinandersetzung mit restlos überzeugenden Argumenten führen, was eine lebendige Einheit von Theorie und Praxis verlangt.
  • Den ideologisch-politischen Zweck des Kampfs um die Denkweise hervorheben und daran festhalten, gegen jeden Subjektivismus.
  • Die Widersprüche prinzipiell behandeln, was voraussetzt, den ideologisch-politischen Kern des zu lösenden Problems zu kennen.
  • Auf die Vereinheitlichung der Denkweise Einfluss nehmen, indem die Auseinandersetzung bis auf den weltanschaulichen Kern geführt wird.
  • Den bewussten Einsatz der Polemik zur Stärkung der proletarischen Gefühle und zur Zersetzung der kleinbürgerlichen Eitelkeit.
  • Konstruktiv diskutieren, also an der schöpferischen Lösung des Widerspruchs interessiert sein.
  • Die Auseinandersetzung bis zur praktischen Konsequenz führen.
  • Im Kampf um die Denkweise, und sei er noch so hart, niemals dem Genossen das Vertrauen entziehen. Das entscheidende Kriterium dazu ist die Haltung der Kader zu ihren Fehlern und ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur prinzipiellen Kritik und Selbstkritik.
  • Vorbehaltlos gegenüber dem Kader, in der Sache aber kompromisslos agieren.
  • Es muss in der Überzeugung gestritten werden, dass die richtige Lösung der innerparteilichen Widersprüche auch eine Anleitung für die Lösung der Fragen des Kampfs um die Denkweise in der Massenarbeit ist.

Die prinzipielle Kritik und Selbstkritik ist in der proletarischen Streitkultur eine Methode der systematischen Ausbildung zur Beherrschung der dialektischen Methode auf dem Niveau der Lehre von der Denkweise.

Letztlich sind alle existierenden Widersprüche in der innerparteilichen Auseinandersetzung ein Ausdruck der Notwendigkeit, sie bewusst zu lösen. Die proletarische Streitkultur ist Ausdruck der Bejahung des Widerspruchs in der innerparteilichen Auseinandersetzung, weil in der richtigen Behandlung der Widersprüche eine enorme Schöpferkraft steckt." (Dokumente des VI. Parteitags, S. 263-265)

Diese Auszüge machen auch deutlich, dass die proletarische Streitkultur in der Parteiarbeit der rote Faden zur Verwirklichung des Systems der Selbstkontrolle der Partei ist.

Bei der proletarischen Streitkultur in der Kaderarbeit muss in besonderem Maße die Individualität, die Differenziertheit und Beweglichkeit beachtet werden. In der Broschüre "Kader entscheiden alles!" heißt es dazu:

"Kritik ist nicht gleich Kritik. Dialektische Kritik kann bei gleichem Inhalt trotzdem nicht schematisch geübt werden: Die Art kann bei dem einen richtig, bei dem anderen falsch sein; sie kann bei dem einen zum Samtpfötchen, bei dem anderen zur Faust werden; sie kann mal in humorvollen Ton, mal in harschen Worten zum Ausdruck kommen. Nichts ist schlimmer als eine schematische Anwendung von Kritik." (S. 26)

Entsprechend kann die proletarische Streitkultur in der Kaderarbeit nur im Kampf gegen kleinbürgerliche Führungsmethoden, Starrheit, Sektierertum, Opportunismus und herzlose Kaderbehandlung durchgesetzt werden.

Attacken des modernen Antikommunismus

Es ist kein Zufall, dass der moderne Antikommunismus gerade die proletarische Streitkultur und dabei insbesondere die in der Kaderarbeit attackiert und zu verunglimpfen versucht. So darf man im letzten Verfassungsschutzbericht unter anderem folgende Ergüsse zur MLPD lesen:

"In dem - verspäteten - jährlichen Neujahrsinterview mit dem Zentralorgan ,Rote Fahne` ließ der Parteivorsitzende Stefan Engel ungewohnt deutliche Kritik an der Entwicklung der MLPD durchscheinen ... Auch die MLPD sei in ihrer heutigen organisatorischen Stärke nicht in der Lage, ihre revolutionären Aufgaben zu erfüllen. Als Ursache nannte ENGEL u.a. eine Neigung der Mitglieder zur Vernachlässigung ideologischer Arbeit. Dagegen lobte er einen Austausch von 20 bis 30% der Mitglieder in den Leitungsgremien. Tatsächlich erklärt sich eine solche Fluktuation durch die Folgen fortgesetzter interner Säuberungen von ,Abweichlern`, aber auch durch die zunehmende Resignation von Mitgliedern, die aus dem ,Kaderverschleiß` der autoritär strukturierten Partei Konsequenzen ziehen." (S. 177)

Dabei spekuliert der Verfassungsschutz auf die Unkenntnis der meisten Leser seiner Berichte über die tatsächliche Arbeit der MLPD. Zu ihrer realen Entwicklung haben diese absurden "Erkenntnisse" nämlich nicht einmal mehr den Hauch eines Bezuges. Die "Rote Fahne" verwirklichte noch nie eine angebliche Tradition von "Neujahrsinterviews" mit mir als Vorsitzendem der MLPD. Seit jeher befragt mich die "Rote Fahne" dann, wenn es wesentliche neue Entwicklungen gibt, was gelegentlich auch um den Jahreswechsel herum erfolgt. Wie sich etwas, das es so gar nicht gibt, "verspäten" kann, bleibt wohl der Geheimdienstlogik von Schilys Schlapphüten überlassen.

Meine Antworten in diesen Interviews sind immer auch kritisch - die MLPD verfolgte noch nie die Honecker'sche Devise "Die Partei hat immer recht". Interviews zur Selbstbeweihräucherung kann ich mir und den Lesern der "Roten Fahne" sparen. Für den Verfassungsschutz ist dagegen jede Kritik und Selbstkritik Ausdruck von Niedergang, Autoritarismus usw. Das ist typisch für die Denkweise dieser bürgerlichen Geheimdienstler, die in jeder Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen staatsgefährdendes Gedankengut oder gar geistige Vorbereitung von Terrorismus argwöhnen.

Außerdem wird das Interview völlig entstellt. Dass die MLPD 20 bis 30 Prozent neue Kader in den Leitungen hat, kann für den Verfassungsschutz nur Ausdruck "fortgesetzter Säuberungen" sein. Tatsächlich ist das eine Kennziffer der positiven Entwicklung der MLPD. Die MLPD hat seit dem letzten Parteitag einen deutlichen Mitgliederzuwachs, entwickelte allein in Sachsen-Anhalt seit dem vergangenen Jahr eine organisierte Arbeit in 20 neuen Städten usw. Die Organisation befindet sich unübersehbar in einer Aufbruchstimmung. Je mehr sie tatsächlich die allseitige Stärkung der Parteiarbeit ins Zentrum der Arbeit stellt, desto mehr neue Kader werden natürlich benötigt. Wir haben in den vergangenen Monaten als einer der größten Erfolge der Partei 20 bis 30 Prozent neue Gruppen gegründet, die natürlich geleitet werden müssen. Außerdem ist es in der MLPD nicht üblich, Leitungsfunktionen auf Lebenszeit zu erhalten oder als Privatbesitz zu betrachten. Das überlassen wir gerne den Monopolparteien und den kleinbürgerlichen Gruppierungen. Wir halten es für eine große Stärke der Partei, dass ein besonderes Augenmerk auf die Förderung junger Kader gelegt wird, dass die Genossen je nach ihrer Entwicklung unterschiedliche Funktionen wahrnehmen usw.

Solche Berichte sollen natürlich in der Nebenseite auch auf die Mitglieder unserer Partei selbst Einfluss nehmen und ein Gefühl der Isolierung, der Resignation erzeugen usw. Es ist eine Leitlinie der proletarischen Streitkultur in der Parteiarbeit, den Kadern zu helfen, mit allen, gerade auch solch subtilen Formen des modernen Antikommunismus fertig zu werden.

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