Die proletarische Streitkultur in der Parteiarbeit (Teil V/2)

"Rote-Fahne"-Artikelreihe zur proletarischen Streitkultur, Teil V (2. Folge)

Die gesetzmäßige Grundlage der proletarischen Streitkultur in der Parteiarbeit

streitkultur5_2.jpgDie gesetzmäßige Grundlage der proletarischen Streitkultur in der Parteiarbeit ist das Gesetz vom Kampf zweier Linien, das Gesetz des Kampfes zwischen der proletarischen und der kleinbürgerlichen Denkweise als objektives Gesetz der Entwicklung der innerparteilichen Widersprüche. Dazu heißt es im REVOLUTIONÄREN WEG 24:

 

"Der Kampf zweier Linien ist das objektive Gesetz der Entwicklung der innerparteilichen Widersprüche. (...) Der innerparteiliche Kampf spiegelt den Klassenkampf wider und äußert sich als Kampf zweier Linien. Das heißt, jede ideologisch-politische Linie ist klassengebunden: Die Klasse der Bourgeoisie vertritt ihre bürgerliche Linie, die Arbeiterklasse ihre proletarische Linie. Der Inhalt der bürgerlichen Linie ist die bürgerliche Ideologie, der Inhalt der proletarischen Linie ist die proletarische Ideologie, d.h. der Marxismus-Leninismus und die Maotsetungideen (...) Die kleinbürgerliche Linie entsteht spontan im Kampf der großen Klassen Bourgeoisie und Proletariat. Es ist die Wirkung der bürgerlichen Ideologie, die die kleinbürgerliche Denkweise erzeugt und nährt, und die sich weiterentwickelt von einzelnen kleinbürgerlichen Gedankengängen, die sich hier und da äußern, bis zu einem System kleinbürgerlicher Auffassungen, d.h. bis zur Erstellung einer kleinbürgerlichen Linie." (S.163/164)

Die proletarische Partei ist von der Gesellschaft nicht durch eine chinesische Mauer getrennt. Unablässig dringt somit auch die kleinbürgerliche Denkweise in die Partei ein. In Wahlkampfzeiten wird z.B. über Tausende Kanäle im besonderen Maße der bürgerliche Parlamentarismus propagiert. Er verbreitet seine Botschaft, dass nicht der Klassenkampf, sondern Wahlen für gesellschaftliche Veränderungen ausschlaggebend seien. Es liegt auf der Hand, dass diese gesellschaftliche Auseinandersetzung sich auch in der proletarischen Partei niederschlagen und ausgetragen werden muss.

In der Beilage zur "Roten Fahne" 21/1999 heißt es:

"Nach diesem Gesetz verläuft das Vordringen der kleinbürgerlichen Denkweise in der Parteiarbeit in drei Stufen:

Die erste Stufe berührt das Auftreten einzelner Merkmale der kleinbürgerlichen Denkweise in der täglichen Theorie und Praxis der Parteiarbeit. (...)

(...) kommt es zu einer Verfestigung und Kombination bestimmter Fehler, zu Fehlentwicklungen, dann bedeutet das die zweite Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise. Die kleinbürgerliche Denkweise tritt jetzt als Tendenz auf.

Werden prinzipielle Fehler (...) gerechtfertigt und vertieft, kann die kleinbürgerliche Denkweise in der Partei vorherrschend werden. Das berührt den Übergang in die dritte Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise: Die kleinbürgerliche Denkweise systematisiert sich zu einer kleinbürgerlichen Linie."

Den jeweiligen qualitativen Stufen des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise entsprechen qualitativ unterschiedliche allgemeine und konkrete Methoden der proletarischen Streitkultur.

*In der ersten Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise in Form einzelner Merkmale besteht die proletarische Streitkultur in der demokratischen Entfaltung der Initiative der Mitglieder zur Festigung und Höherentwicklung der prinzipiellen Einheit der Partei. Sie zielt auf die kritisch-selbstkritische Aneignung und schöpferische Anwendung der ideologisch-politischen Linie, um Fehler zu vermeiden.

Dazu wird im Handbuch für Gruppenleiter der MLPD ausgeführt:

"Im Mittelpunkt der Gruppensitzung steht die Beratung, Beschlussfassung und Kontrolle der systematischen Kleinarbeit, bezogen auf die gemeinsame Aufgabenstellung der konkreten Gruppe. Jeder muss wissen, was er zu tun hat."

Aktuell beteiligen sich unsere Mitglieder an den verschiedenen Aufgaben der Parteiwerbewochen, in denen neue Mitglieder und "Rote-Fahne"-Leser geworben und Spenden für die Partei gesammelt werden.

*In der zweiten Stufe, in der die kleinbürgerliche Denkweise zur Tendenz wird, ist es nötig, eine prinzipielle Kritik und Selbstkritik zu entfalten. Das Ziel ist dabei, die kleinbürgerliche Denkweise zu stoppen, prinzipielle Fehler zu korrigieren und dafür zu sorgen, dass diese sich nicht wiederholen. Die proletarische Streitkultur gewährleistet dabei die grundlegende Einheit von Kritik und Selbstkritik.

In der MLPD geht es bei dieser prinzipiellen Auseinandersetzung gegenwärtig besonders darum, die Stärkung der Parteiarbeit überall ins Zentrum der Arbeit zu rücken. Angesichts einer weiteren Vertiefung der Weltwirtschaftskrise, einer zunehmenden politischen Destabilisierung usw. müssen wir uns und die Massen auf eine Verschärfung der Klassenwidersprüche einstellen. Das wird die Fähigkeiten der MLPD, Massen zu bewegen und zu führen, auf eine neue Probe stellen. Umso wichtiger ist es daher, dass die MLPD die jetzige Entwicklung nutzt, um sich tatsächlich nachhaltig zu stärken, insbesondere an der Hauptkampflinie Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit. In der Stärkung der MLPD haben wir in der letzten Zeit die größten Erfolge errungen. Zugleich richtet sich gerade dagegen eine rechtsopportunistische Tendenz der Anbetung der Spontaneität der Massen, die versucht, Hektik und Zerfahrenheit in die Organisation zu tragen. Die MLPD hat sehr erfolgreich den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt durchgeführt. Sie hat danach die Stärkung ihrer revolutionären Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit ins Zentrum gerückt. Die MLPD muss sich jetzt in erster Linie auf die kommenden Klassenauseinandersetzungen einstellen und bedeutend stärker werden. Das erfordert eine Festigung und Weiterentwicklung der systematischen Kleinarbeit.

Selbst wenn prinzipielle Fehler gemacht werden, sind für die MLPD nicht die Fehler selbst, sondern die Haltung der betroffenen Genossen zu diesen Fehlern entscheidend. Das Verhalten zu prinzipiellen Fehlern oder Niederlagen ist eine Reifeprüfung der Kader und diese müssen mittels einer prinzipiellen Selbstkritik aufgearbeitet werden. Ein Brief von Willi Dickhut gibt eine hervorragende Anleitung dazu:

"Eine dialektische Selbstkritik analysiert den oder die Fehler, geht dem Problem auf den Grund, untersucht sowohl den Kern wie auch die Nebenerscheinungen, die Zusammenhänge, die Widersprüche, Ursache und Wirkung, die objektive und subjektive Seite, die Situation, die eigenen Kräfte und Gegenkräfte usw., kurz eine allseitige Untersuchung, um Fehler rasch und gründlich zu korrigieren und um Vorsorge zu treffen, dass er sich nicht mehr wiederholt. (...)

Dialektische Selbstkritik bedeutet Selbstuntersuchung, inwieweit man die dialektische Methode beherrscht, denn alle Fehler und Mängel sind Verstöße gegen die dialektische Methode. Je besser man die dialektische Methode beherrscht, um so leichter kann man Fehler und Mängel erkennen und sie rechtzeitig korrigieren bzw. sie gar nicht aufkommen lassen." ("Briefwechsel über Fragen der Theorie und Praxis des Parteiaufbaus", S.235/236)

*Im Übergang zur dritten Stufe des Vordringens der kleinbürgerlichen Denkweise muss die kleinbürgerliche Linie zerschlagen werden, die proletarische Linie und Organisation verteidigt und die prinzipielle Einheit der Partei hergestellt werden.

Hauptmethode ist die wissenschaftliche Polemik in Verbindung mit administrativen Maßnahmen zum Schutz der Partei. Der offene Kampf zweier Linien erfordert von der proletarischen Streitkultur ein Höchstmaß an Nüchternheit, Sachlichkeit und Überzeugungskraft in Verbindung mit größter Flexibilität und Entschlossenheit.

Die Kernfrage in der Anleitung und Kontrolle

Die Durchsetzung der proletarischen Streitkultur im Kampf gegen die kleinbürgerliche Streitkultur ist der Schlüssel für die Verwirklichung einer Parteiarbeit auf Grundlage der proletarischen Denkweise. Dabei kommt der Arbeit der Leitungen aller Ebenen eine besondere Verantwortung zu. Die Dokumente des VI. Parteitags der MLPD führen dazu entsprechend aus:

"Innerhalb der Partei bedeutet die Verwirklichung der proletarischen Streitkultur nichts anderes als die Verwirklichung einer Anleitung und Kontrolle auf der Grundlage der proletarischen Denkweise." (S. 61, Hervorhebungen von Stefan Engel)

In der Partei werden gerade die Gruppenmitgliederversammlungen, die Orts- und Kreisdelegiertentage vorbereitet und durchgeführt. Dort werden die Leitungen Rechenschaft darüber ablegen, wie es ihnen gelungen ist, eine Anleitung und Kontrolle auf der Grundlage der proletarischen Denkweise zu verwirklichen, damit die Partei in die Lage kommt, Massen zu bewegen und zu führen.

Stefan Engel

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